In einem kleinen Landstädtchen wohnten, das ist viele Jahre her, ein Mann und seine Frau. Die zwei Leute waren niemals vergnügt, immer gab es Streit. Der Mann mißgönnte der Frau ihre Arbeit, es schien ihm viel leichter, im Hause zu schaffen, als auf dem Felde schwer zu arbeiten. Die Frau aber war der vielen kleinen Mühen im Haushalte überdrüssig, sie hätte sich viel lieber draußen in frischer Luft müdegearbeitet, um dann zu Hause einen ruhigen Feierabend genießen zu können.
   So kamen sie eines Tages überein, ihre Arbeit zu tauschen. Die Frau sollte in glühender Sonne, bei Wind und Wetter hinaus, um das Feld zu bestellen. Der Mann sollte im Hause Ordnung halten, die Butter rühren, die Grütze kochen und die Kuh betreuen.
   Also ging sie aufs Feld und er machte sich daran, Butter zu rühren. Das war ganz vergnüglich für den Anfang. Dann aber wurde er durstig
und ging in den Keller hinunter, um sich einen frischen Trunk zu holen. Da, gerade als er den Pfropfen aus dem Faß gezogen hatte, hörte er ein schreckliches Gepolter oben in der Küche und eilig lief er hinauf, um zu sehen, was da geschehen sei. Den Stöpsel wieder hineinzustecken hatte er vergessen und alles Bier floß über den Bo-den. Droben aber war das Schwein in der Küche gewesen und hatte das Butterfaß umgeworfen. Alles Obers war ausgeronnen
  Da half nichts; er wußte wieder Obers von der Milch schöpfen und von neuem zu. rühren beginnen. Das ging so eine Weile. Da fiel ihm ein daß es höchste Zeit sei, die Grütze. für den Mittag auf den Herd zu stellen. Aber das Butterfaß konnte er ja nicht mehr allein in der Küche lassen, während er Wasser für die Grütze holen mußte. Schnell entschlossen band er sich das Butterfaß auf den Rücken und ging zum Brunnen. Als er sich nun bückte, um
das Wasser heraufzuziehen, lief das ganze. Obers über seinen Kopf in den Brunnenschacht hinunter.
  Jetzt hatte er gar kein Obers mehr. Ja, da war nun nichts mehr zu tun, die Grütze mußte gekocht werden.
  Endlich hatte er die Grütze auf dem Feuer, da erschrak er. Er hatte ja ganz vergessen, die Kuh aus dem Stall zu lassen, damit sie grasen konnte.
Schnell lief er hinaus, führte sie aus dem Stall, schaute herum, nirgends ein grüner Fleck. Da entdeckte er, daß auf dem Dache oben noch etwas Gras wachse und so zog er die Kuh hinauf. Aber es fiel ihm ein, daß die Kuh ja vielleicht abrutschen und herunterfallen könnte, und so warf er das Seilende durch den Schornstein, lief schnell in die Küche hinunter und band sich den Strick um sein eigenes Bein. Auf diese Weise konnte er es gleich merken, wenn die Kuh herabfiel.
  
Jetzt konnte er endlich beginnen, den Brei umzurühren. Da, als er eine Weile beim Herd gestanden war, fiel die Kuh wirklich herunter und im Fallen
zog sie den Bauern in den Schornstein hinauf. Da hingen sie nun beide, die Kuh in der Luft, der Mann im Schornstein.
  Seine Frau kam gerade zur rechten Zeit vom Felde und wollte müde und hungrig ihr Mittagessen. Zu ihrem großen Schrecken sah sie die Kuh am Seil hängen, lief, so schnell sie konnte, um ein Messer und schnitt den Strick ab. Aber als sie in die Küche kam, da lag ihr Mann mit dem Kopf in der Grütze.
  Sie zog den Armen heraus und mußte ihn bei allem Mißgeschick noch trösten.
  Nun versprachen sie einander, nie mehr zu tauschen und zufrieden jeder bei seiner Arbeit bleiben zu wollen.
Obers ist das österreichische Wort für Sahne