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Der Mond ist aufgegangen
  
1. Der Mond ist aufgegangen,
    die goldnen Sternlein prangen
    am Himmel hell und klar;
    der Wald steht schwarz und schweiget,
    und aus den Wiesen steiget
    der weisse Nebel wunderbar.

2. Wie ist die Welt so stille
    und in der Dämmrung Hülle
    so traulich und so hold;
    gleich einer stillen Kammer,
    wo ihr des Tages Jammer
    verschlafen und vergessen sollt.

3. Seht ihr den Mond dort stehen?
    Er ist nur halb zu sehen
    und ist doch rund und schön.
    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost belachen,
    weil unsre Augen sie nicht sehn.

4. Wir stolzen Menschenkinder
    sind eitel arme Sünder
    und wissen gar nicht viel.
    Wir spinnen Luftgespinste
    und suchen viele Künste
    und kommen weiter vor dem Ziel.

Worte: Matthias Claudius (1778)
Weise: Johann Abraham Peter Schulz (1790)



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