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 Wach auf, meins Herzens Schöne
  
1. Wach auf, meins Herzens Schöne, zart Allerliebste mein !
    Ich hör ein süß Getöne von kleinen Waldvöglein.
    Die hör ich so lieblich singen,
    ich mein, es woll des Tages Schein
    vom Orient herdringen

2. Ich hör die Hahnen krähen, ich spür den Tag dabei
    die kühlen Windlein wehen, die Sterne leuchten frei.
    Singt uns Frau Nachtigalle,
    singt uns ein süße Melodei;
    sie meld't den Tag mit Schalle.

3. Der Himmel tut sich färben aus weißer Farb in blau,
    die Wolken tun sich färben aus schwarzer Farb in grau.
 Die Morgenröte tut herschleichen:
    Wach auf, mein Lieb, und mach mich frei !
    Die Nacht will mir Entweichen

4. Ich soll dir ein Boten senden, der mir ein Botschaft würb,
    Ich forcht, er tut sich wenden, daß unser Lieb verdürb.
    Schick dich zu mir alleine
    feins Lieb, feins Lieb, bis
1 unverzagt !
    In Treuen ich dich meine

5. So darf ich niemals Vertrauen, Herzzlieb in desem Falle;
    die Klaffer machen uns ein Grauen, der ist so große Zahl
    Wenn unser Lieb sich soll meiden,
    der Klaffer find't man überall,
    noch will ich mich nicht scheiden.

6. Du hast mein Herz umfangen mit aller inbrünstigen Gier;
    Ich bin so oft gegangen, feins Lieb, nach deiner Zier.
    Ob ich dich möcht ersehen,
    so wird erfreut das Herz in mir
    Die Wahrheit tu ich jehen
2.

   
 1 sei
     2 jehen (mhd.): bekennen

 Worte: Taglied aus dem 16. Jahrhundert
Weise: Johann Friedrich Reichardt (1778)



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