zurück

Der Winter ist vergangen
  
1. Der Winter ist vergangen, ich seh des Maien Schein
    
seh die Blümlein prangen, des ist mein Herz erfreut.
    
So fern in jenem Tale, da ist gar lustig' sein,
    
da singt Frau Nachtialle und manch Waldvögelein.

2. Ich geh, ein Mai zu hauen, hin durch das grüne Gras,
    
schenk meinem Buhln die Treue, die mir die Liebste was,
    
und bitt, daß sie mag kommen all an dem Fenster stahn,
    
empfangen den Mai mit Blumen, er ist gar wohl getan.

3. Und als die Säuberliche sein Rede hat gehört,
    
da stand sie traurigliche, indes sprach sie die Wort:
    "
Ich hab den Mai empfangen mit großer Würdigkeit!"
    
Er küßt sie an die Wangen, war das nicht Ehrbarkeit?

4. Er nahm sie sonder Trauern in seine Arme blank,
    
der Wächter auf der Mauern hub an ein Lied und sang:
    "
Ist jemand noch darinnen, der mag bald heimwärts gahn.
    
Ich sch den Tag her dringen schon durch die Wolken klar."

5. "Ach, Wächter auf der Mauern, wie quälst du mich so hart!
    
Ich lieg in schweren Trauern, mein Herze leidet Schmerz.
    
Das macht die Allerliebste, von der ich scheiden muß;
    
das klag ich Gott, dem Herren, daß ich sie lassen muß."

6. "Adieu, mein' Allerliebste, adieu, schön Blümlein fein,
   
adieu, schön Rosenblume! Es muß geschieden sein.
   
Bis daß ich wiederkomme, bleibst du die Liebste mein;
   
das Herz in meinem Leibe gehört ja allzeit dein!"

Worte und Weise: aus Joh. F. Thysius Lautenbuch (um 1600).
Die dort aufgezeichnete Version geht auf ein altes niederländisches Mailied zurück,
das sich in der aus den Niederlanden stammenden Weimarer Liederhandschrift findet (1537).



zurück

                                                 

Achtung: Diese Seite ist Bestandteil eines Framesets !
Sollte sich diese Seite außerhalb oder in einem fremden Frame befinden,
 klicken Sie hier ! !